Wales V: auf dem Weg nach Llandudno über Aberaeron und Portmeiron

Wir starten früh an diesem Tag. So früh, dass sich in den anderen Cottages noch nichts rührt. Nur die Schafe im Moor verabschieden uns mit vage interessiertem Blick, während sie stoisch ihr Grünzeug kauen. Mücken und Bremsen verschlafen unsere Abfahrt. Ein Glück!
Wir haben gestern alles gekauft, um unterwegs ein Sandwichfrühstück zu bereiten. Sogar eine schöne Dose lösliches Kaffeepulver, Frühstück wird es also irgendwo unterwegs geben.
Lediglich etwas über 200 km liegen vor uns, allerdings auf den Landstraßen Wales. Aber auch dafür scheinen wir reichlich Zeit zu haben, so dass das Motto für heute heißt: der Weg ist das Ziel. Mal schauen, was wir unterwegs so sehen.

Hafen von Aberaeron

Unseren ersten Stop machen wir in Aberaeron, einer kleinen Küstenstadt. Wunderbarerweise sind an der durchs Städtchen führenden A487 die öffentlichen Toiletten ausgeschildert und wir folgen der Beschilderung in den kleinen Hafen. Ein idealer Ort für eine Pause, also Kühltasche raus und alles auf eine der Bänke mit Blick aufs Hafenbecken verfrachten. Diese allgegenwärtigen Bänke sind wirklich eine Freude!
Ich kann diese Art des Frühstücks nur empfehlen. Im Freien unter blauem Himmel, sonnenbeschienen, mit Blick auf die trocken liegenden Boote und die pastellfarbenen Häuser am anderen Ufer einfach grandios. Die wenigen morgendlichen Passanten haben alle ein Lächeln für uns übrig.


So gestärkt geht es wieder auf die A487, an Aberystwyth vorbei bis nach Machynlleth. Als wir den Ort durchquert haben, beschließen wir noch einmal umzukehren und suchen uns einen Parkplatz.
Tatsächlich haben wir eine Zeile wunderschöner Fachwerkhäuser gesehen, einige Antiquitätengeschäfte und überhaupt scheint es ein hübsches Städtchen zu sein.
Wir bummeln eine Weile durch die Straßen, be- wundern
die vielfältigen Farben  der hiesigen Schubkarren, die interessanten Pflanzgefäße und landen schließlich  vor einem ziemlich verwilderten Friedhof, den wir durch eine quietschende, schmiedeeiserne Pforte betreten. Die Friedhöfe in Großbritannien haben eine gänzlich andere Atmosphäre als unsere. Sie wirken irgendwie immer ein wenig verwahrlost, nicht so aufgeräumt, wie wir es von unseren Friedhöfen gewohnt sind. Es gibt so gut wie keinen Pflanzenschmuck, die Grabsteine sind häufig Jahrhunderte alt, verwittert und stehen schief. So auch auf diesem Friedhof, der uns irgendwie an Dracula und andere Spukgestalten erinnert, so dass wir ständig erwarten, dass sich eines der Gräber öffnet und ihm irgendwelche Unholde entsteigen.
Wir streifen ein wenig zwischen den Gräbern herum, auf dem trockenen Rasen übrigens, denn Wege gibt es keine, suchen nach Jahreszahlen und alten Inschriften, bevor wir diesen Ort der Toten durch die quietschende Pforte wieder verlassen.
Den nächsten Halt machen wir nur wenige Kilometer weiter an King Arthurs Labyrinth. Ein Schild an der Straße verweist uns auf einen Besucher- parkplatz inmitten grüner Hügel. Wir haben keine Ahnung, worum es sich dabei handelt. Umgeben von lauter Shops mit unterschiedlichstem Kunsthandwerk liegt der Eingang einer alten Schiefermine. Dort bekommt man bei einer Bootsfahrt unter Tage eine mystische
 Geschichte König Arthurs erzählt. Man kann auch eine Minentour machen. Wir verzichten auf beides, schlendern ein wenig durch die Craftshops, die durchaus interessantes zu bieten haben. Wunderbare Holzmöbel zum Beispiel. Wir trinken im Café noch eine gut schmeckende Cherry Tree Cola, bevor wir uns wieder auf den Weg machen. Auf dem Parkplatz sonnt sich eine kleine Schlange auf dem warmen Asphalt und entschwindet mit schlängelnden Bewegungen als sie uns bemerkt.
Dann steuern wir Portmeirion an, das wir am frühen Nachmittag erreichen. Portmeirion liegt auf einer ruhigen Halbinsel in einem Mündungsdelta und ist absolut künstlich. Der walisische Architekt Sir Clough William-Ellis hat hier einem Disneyland gleich eine Art italienische Stadt zusammengestellt, indem er alle möglichen Teile verlassener alter Herrenhäuser hier zusammenfügte. Durchaus sehenswert und dem vollen Parkplatz nach zu urteilen ein echtes Touristenmagnet.


Darüber hinaus mit einem Eintrittspreis von 10 £ pro Person auch nicht grad ein Schnäppchen. Wir überlegen kurzfristig, ob wir den Besuch nicht canceln. Naja, aber nun sind wir schon mal da, also beißen wir in den sauren Apfel.
Nicht nur Architektur und Gärten, nein, auch die Temperatur gibt uns das Gefühl tatsächlich in einer italienischen Kleinstadt zu sein. Selbst das Personal wirkt auf eine hochnäsige
Art irgendwie italienisch. Alles ist wirklich sehr schön angelegt und man kann eine Weile hindurchspazieren. Allerdings sind  10 £ für einen Spaziergang durch eine künstliche Stadt ganz schön viel Geld. Viel mehr als das kann man dort aber eigentlich nicht machen.
Wir holen uns noch ein überteuertes, aber gut schmeckendes Eis, sitzen eine Weile auf einer Bank am Springbrunnen und beobachten andere Besucher, schlendern hinunter zum Wasser und überlegen dann, ob es hier noch irgendwas zu tun gibt. Uns fällt nichts ein und so machen wir uns auf den Weg zurück zum Parkplatz.
Übrigens, auch auf dem Parkplatz stehen überall verteilt Picknicktische, es lebe Wales, so etwas würde ich mir hier bei uns ebenso wünschen.  Wir nutzen das Angebot auch gleich und essen die Reste unseres Frühstücks im angenehmen Schatten eines Walnussbaumes.
Die letzten Kilometer bis nach Llandudno ziehen sich. Das ist ja meist so, kurz vorm Ziel dauert es immer am längsten.
Llandudno ist ein Seebad aus viktorianischer Zeit und erstreckt sich an zwei Seiten einer Halbinsel. Unser Guesthouse liegt direkt an der Strandpromenade und müsste eigentlich leicht zu finden sein. Doch das Navi kennt die Adresse nicht. Wir fahren also die Promenade rauf und runter und fragen schließlich einige Passanten, die uns die Richtung weisen.

Das Britannia Guesthouse liegt in einer Häuserzeile in unterschiedlichsten Pastelltönen gestrichener, viktorianischer Gästehäuser direkt an der Promenade. Wir werden herzlich empfangen, nach unseren Wünschen zum Frühstück befragt und bekommen eine Menge nützlicher Tipps zu unserem Urlaubsort.
Unser Zimmer ist ein Traum mit einem kleinen Erker und Blick auf das Wasser.
Außerdem liegt es Richtung Norden und ist angenehm kühl. Es gibt sogar ein Fernglas. Wahnsinn!
Wir beherzigen gleich eine der Restaurantempfehlungen, machen einen Abendspaziergang an der langen, asphaltierten Promenade, bewundern die wunderschönen Häuserfronten aus viktorianischer Zeit und ergattern einen der begehrten Außenplätze im "Home cooking".
Das Essen ist wirklich ausgezeichnet, ein leckerer Lammbraten mit Minzsauce. Dazu ein walisisches Schwarzbier, während wir beobachten, wie die Schlange derer, die auf einen Tisch warten, immer länger wird.
Zurück schlendern wir erneut über die Promenade, der Himmel färbt sich derweil in unterschiedlichsten Rottönen. Auch hier überall Bänke, die zum sitzen einladen, dieses Land ist ein Traum für alle Gernesitzer. Und wahrscheinlich auch für Menschen, die Bänke herstellen.


Llandudno scheint ein wirklich angenehmer Urlaubsort zu sein. Wir freuen uns schon auf morgen.




Kommentare:

  1. Ich warte schon ungeduldig auf den nächsten Teil. Noch seid ihr nicht zurück in Deutschland ;-)
    Es war aber traumhaftes Wetter, da sieht alles natürlich noch mal so schön aus. Auch hier wieder, ein schöner Bericht und schöne Bilder.

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  2. Der nächste Teil ist seit gestern drin, aber irgendwie immer noch nicht bei blog-connect zu sehen... jedenfalls kann ich ihn dort nicht sehen. Ich freu mich, dass du so fleißig liest, obwohl noch so viele schöne Bücher auf dich warten.

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  3. Blog-Connect ist sehr träge im Veröffentlichen, das habe ich auch schon festgestellt. Ja nu, ich kann doch nicht nur Bücher lesen, wenn es doch so schöne Reiseberichte gibt.

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