Türkei 3 - Istanbul - Hagia Sophia, Dolmabahçe-Palast und Yerebatan-Zisterne


Die Hagia Sophia bei Nacht
Der nächste Tag beginnt wie alle vorangegangenen, mit dem Frühstück auf der Dachterrasse. Unser
Be- sichtigungs- programm für heute beginnt mit der Hagia Sophia. Dank unseres Museum- passes können wir an der langen Warte- schlange am Ticket- schalter entspannt vorbei- schlendern und stehen unvermittelt vor dem riesigen Eingangsportal dieser einzigartigen Kuppelbasilika. Schön die pure Größe ist beeindruckend. Das Innere noch mehr. Auch hier wieder ganz klar, alle Fotos können dem nicht gerecht werden. Gemeinsam mit uns tritt übrigens eine Istanbuler Katze durchs Portal. Ich bin mir sicher, sie hat nicht bezahlt.
Die Hagia Sophia wurde 537 nach Christus als byzantinische Kirche von Kaiser Justinian eingeweiht, war die Hauptkirche des Byzantinischen Reiches und religiöser Mittelpunkt der Orthodoxen. Im 15. Jahrhundert dann wurde sie unter den Osmanen in eine Moschee umgewandelt und später unter Atatürk dann in ein Museum. Um den gewaltigen Kuppelbau abzustützen wurden im Laufe der Jahrhunderte die Fassade mit immer mehr Pfeilern verstärkt, was das ursprüngliche Erscheinungsbild natürlich genauso veränderte, wie die später angefügten Minarette.
Die Kuppel hat eine Spann- weite von 32 Metern und ihr Schei-
tel- punkt befindet sich 55 Meter über dem Fußboden.
So stehen wir in diesem riesigen Raum, den Blick nach oben gerichtet und staunen. Immer wieder wundere ich mich darüber, was vor so unendlich langer Zeit mit den einfachen, damals zur Verfügung stehenden Techniken, erbaut wurde. Was die Menschen damals schon möglich machten. Auch das riesige Gerüst, das zur Zeit das Hauptschiff ziert, nimmt diesem Gebäude nichts von der Erhabenheit und wirkt irgendwie klein.
Auf der umliegenden Empore, die man über eine Rampe erreicht, fragen wir uns unwillkürlich wieviele unzählige Füße wohl schon über diesen unebenen Marmorboden gegangen sind, wieviele Menschen unterschiedlicher Religionen hier im Laufe der Jahrhunderte Trost und Antworten gesucht haben. Für mich ist das einer dieser Orte, die einem klar machen, das wir nur ein Wimpernschlag in der Geschichte der Menschheit sind.

An den oberen Galerien befinden sich auch die inzwischen wieder freigelegten Mosaiken aus der Erbauungszeit.
Wir verabschieden uns von diesem letzten großen Bauwerk der Spätantike und werden draußen von strahlendem Sonnenschein und noch mehr Touristen empfangen. Es wird wieder Zeit eine Toilette zu suchen, doch die auf dem Gelände der Hagia Sophia ist ein wenig... überfrequentiert. An dieser Schlange steht man sicher mindestens 20 Minuten. Also raus auf den Platz und zur öffentlichen Toilette, da steht man gar nicht und sauber ist sie auch.
Von da aus machen wir uns auf Richtung Taksim- platz, Ausgang der Proteste im ver-
gangenen Jahr. Ihr erinnert euch? Für den Bau eines Einkaufszentrums sollte nicht nur das inzwischen abgerissene Emek-Kino weichen, sondern auch Bäume des benachbarten Gezi-Parks. Das löste eine ungeahnte Protestwelle aus, die hier auf dem Taksimplatz ihren Höhepunkt fand und von der türkischen Polizei mit massiver Gewalt beendet  wurde.
Uns empfängt dieser Platz mit Stille und eher unspektakulär. Ein wenig marode wirkt er, genauso wie der benachbarte Gezi-Park, der aber scheinbar seine Bäume behalten durfte. Ein paar Skater nutzen die Treppe, um ihren jugendlichen Tatendrang abzuarbeiten, im Park sitzen ältere Männer auf den Bänken und rauchen und auch sonst ist nirgendwo etwas protestähnliches zu sehen. Manchmal sind die Plätze, an denen Geschichte gemacht wird eher unscheinbar.

Wir beschließen, dass noch genug Zeit bleibt, um den Dolmabahçe-Palast zu besichtigen, der nicht allzuweit entfernt ist. Wir hatten ihn bereits gestern vom Wasser aus bei unserer Bosporusfahrt gesehen. Ein beeindruckendes Gebäude.
Eine kurze Fahrt mit der Funicular, eine unterirdische Zahnradbahn, die den Taksimplatz mit Kabataş verbindet, ein kurzer Fußweg an einer vielbefahrenen Straße entlang, und wir sind da. 
Der Dolmabahçe-Palast wurde gebaut, weil der mittelalterliche Topkapi-Palast irgendwann den modernen Anforderungen nicht mehr genügte, da man begonnen hatte sich an den Standarts europäischer Herrscherhäuser zu messen. Und so siedelte der Hof 1856 in diesen neuen Palast der Superlative. Die Baukosten betrugen rund fünf Millionen Pfund Sterling, was damals etwa einem Viertel der jährlichen Steuereinnahmen entsprach und was erheblich dazu beitrug das osmanische Reich in den Staatsbankrott zu treiben.
Ja, und genau so ist der Palast auch. Seine Decken wurden mit sage und schreibe 14 Tonnen Gold geschmückt, überall glitzert Kristall und andere Dinge die glitzen, es wurde an nichts gespart. Selten so prunkvoll ausgestattetet Räumlichkeiten gesehen.
Apropos gesehen: der Palast kann nur im Rahmen einer Führung besichtigt werden, die entweder auf türkisch oder auf englisch erfolgt. Man steht eine Weile an, zieht sich dann hübsche, blaue Plastiküberzieher über die Straßenschuhe und los gehts. Im Palast darf nicht fotografiert werden, was eine Gruppe Herren aus dem Libanon mit männlicher Arroganz aber geflissentlich nicht zur Kenntniss nimmt und immer fröhlich vor sich hin knipst, ohne auf die Ansagen unserer ziemlich schüchternen Führerin mit Tuch und langem Mantel zu hören. Gerne hätte ich denen ein Bein gestellt.
Leider ist die Dame nicht nur schüchtern, sondern auch leise, so dass man ihren ohnehin schon knappen Ausführungen nicht wirklich folgen kann und wir durchqueren den Palast ohne wirkliche Erklärungen. Aber egal, die Räume sprechen für sich und wir haben ja genug Phantasie.
Zum Abschluss essen wir noch eine Pizza, in einem Restaurant, das am Wasser direkt vor dem Eingang des Palastes ist, kommen dabei mit zwei türkischstämmigen Damen aus Deutschland ins Gespräch, die in Istanbul Familie besuchen und Urlaub machen und beschließen danach, dass es Zeit ist noch einmal unsere Dachterrasse für eine Pause
Polizeiwache an der Yerebatan-Zisterne
 aufzusuchen. Zumal wir auch eine Jacke benötigen, denn es ist irgendwie deutlich kühler geworden.
Auf dem Weg zurück halten wir am Eingang der Yerebatan-Zisterne, vor der, wie immer eine elendig lange Schlange steht, um nachzusehen wann die Zisterne schließt. Man hat uns empfohlen zirka eine Stunde vorher wiederzukommen, dann wäre die Schlange der Touristen deutlich kürzer und es bliebe noch genug Zeit für die Besichtigung.
Genauso machen wir das. Pause auf der Dachterrasse und dann erneut Aufbruch Richtung Yerebatan-Zisterne. Und es stimmt. Nach zehn Minuten Warten sind wir drinnen. Steigen die lange Treppe hinunter in die alte Zisterne. Und nach all dem Lärm oberhalb des Erdbodens umgibt uns hier - für Istanbuler Verhältnisse - Stille. Stille im Dämmerlicht der gut eingesetzten Beleuchtung. Wie ein Wald, der nicht aus dieser Welt ist, erheben sich die Säulen, 336 an der Zahl, aus dem dunklen, klaren Wasser und hinterlassen dort gleichzeitig ihr Spiegelbild. Tragen seit vielen Jahrhunderten geduldig die Last des alten Ziegelsteingewölbes. Im klaren Wasser schwimmen Fische, klassische Musik erklingt aus irgendwo versteckten Lautsprechern und Wasser plätschert, tropft von irgendwo zu Boden. Die Besucher unterhalten sich leise, die Atmosphäre hat tatsächlich etwas Sakrales.

 

So schlendern wir auch irgendwie andächtig über die Holzstege. Wundern uns über die aus Stein gemeißelten antiken Medusenköpfe, die als Sockel für zwei der Stützpfeiler dienen. Was hat das zu bedeuten? Später lesen wir, dass beim Bau die Höhe der meist aus römischer Zeit stammenden Säulen ausgeglichen werden musste, und die Arbeiter zu vorhandenem Material griffen, das sie wohl einfach einbauten. Die Medusa entstammt der griechischen Mythologie, ein Ungeheuer mit weiblichen Gesichtszügen. Warum allerdings die eine auf der Seite und die andere auf dem Kopf steht? Vielleicht ein Scherz der Bauarbeiter? Tatsächlich habe ich keine Ahnung!
Wir beschließen den Abend auf einer Dachterrasse, wo auch sonst? Eines der vielen Restaurants mit Blick auf den Bosporus. Ein antiquiert wirkender Kellner alter Schule bedient uns und ist dabei reichlich zu Scherzen aufgelegt. Am Nachbartisch läßt sich eine Gruppe Koreaner nieder, die sich die Karte erklären lassen und sich dann augenscheinlich durch alle Gerichte probieren. Es muss seltsam sein die Schrift nicht lesen zu können, die Gerichte nicht zu kennen und wirklich etwas völlig neues zu probieren. Wir genießen Fisch und Fleisch und Wein und die gute Aussicht. Und freuen uns auf den nächsten Tag.









 



Türkei 2 - Istanbul - Bosporusfahrt und Galataturm

Auch diesen Morgen beginnen wir mit einem Frühstück auf unserer Dachterrasse. Anfänglich machen uns die Wolken am Himmel ein wenig nervös, doch nach dem Frühstück haben diese sich netterweise wieder verzogen. Heute wollen wir den Bosporus mit dem Schiff befahren, schließlich kommen wir aus einer Hafenstadt und sind in einer Hafenstadt. Und Hafenstädte lassen sich wunderbar vom Wasser aus erkunden. Da wir ja gute Schuhe haben, machen wir uns zu Fuß auf den Weg. Es ist schon ein gutes Stück zu gehen, erst über das Hippodrom, der Pferderennbahn des antiken Konstantinopels mit dem Obelisken Thutmosis III.,
am Pudding Shop vorbei, dem berühmten ersten Treffpunkt auf dem Hippietrail Richtung Indien, dann an der Hagia Sophia vorbei, immer weiter abwärts Richtung Galatabrücke. Irgendwann muss ich - wie immer - eine Toilette suchen, was tatsächlich in Istanbul deutlich einfacher ist, als z. Bsp. in Paris. Es gibt viele öffentliche Toiletten, die sauber, mit Papier und Handtüchern und einer Klofrau bestückt sind und für deren Benutzung man 1 TL (0,33 €) zu entrichten hat.
Diesmal aber sind wir in Höhe des Bahnhofes Sirkeci, von dem der legendäre Orient-Express verkehrte. Und natürlich hat jeder Bahnhof auch eine Bahnhofstoilette.

























Der Bahnhof ist leer, man hört die Vögel zwitschern, doch es ist kein Problem sich vorzustellen, dass die viktorianisch gekleideten Damen und Herren mit dem ersten Pfeifen des einfahrenden Zuges hier auftauchen, um stilvoll wieder Richtung Paris oder London zu reisen. An der Kulisse bräuchte man für ihr Erscheinen wirklich nichts zu ändern.
Wieder auf der Straße empfängt uns der tosende Istanbuler Verkehrslärm, während wir weiter Richtung Fähranleger  Eminönü gehen. Hier sollen die Ausflugs- schiffe ablegen, die sechs Stunden den Bospurus hinauffahren. Doch als wir dort ankommen ist das Schiff bereits so voll, dass wir davon absehen damit irgendwohin zu fahren. Das Leben einer Sardine in der Büchse wollten wir hier eigentlich nicht erkunden. Tatsächlich fährt diese Linie nur zweimal täglich und für die Mitfahrt sollte man sehr rechtzeitig am Anleger sein. Wir schauen uns nach einer anderen Möglichkeit um und werden auf der westlichen Seite der Galatabrücke fündig. Hier starten kleinere Ausflugsschiffe, die ebenfalls den Bosporus hinauffahren. Zwar nur bis zur Fatih-Sultan-Mehmed-Brücke, aber das wird uns reichen. Für 12 TL pro Person sind wir dabei.
der Dolmabahce-Palast

Fischerboot

die europäische Festung, 1452 erbaut, Vorbereitung Mehmeds II. auf die Belagerung Konstantinopels

immer wieder wunderschöne Holzhäuser am Ufer


Während wir auf die Abfahrt warten und auch während der Fahrt, serviert ein älterer Herr heißen Tee, frisch gepressten Orangensaft oder auch Sandwiches. Er schafft es elegant zwischen ausgestreckten Beinen, liegenden Rucksäcken, wehenden Gewändern und zahlreich vertretenen asiatischen Reisegruppen durch zu balancieren ohne etwas zu verschütten. Meine Hochachtung.
Zwei Stunden sind wir unterwegs, den Bosporus hinauf und wieder hinunter und wundern uns über all das Grün und die wunderschönen Holzhäuser, die die Ufer zieren. Istanbul sollte man auf jeden Fall auch vom Wasser gesehen haben.
Danach machen wir eine Pause in einem Restaurant unter der Galatabrücke, die die Stadteile Fatih und Beyoğlu verbindet. Während wir mit Blick auf das Wasser sitzen und auf unser Essen warten, können wir zusehen, ob die Angler auf der Brücke über uns etwas fangen. Ab und zu wird ein kleiner, zappelnder Fisch an uns vorbei in die Höhe gezogen. Was mich anhand der Wasserqualität doch etwas wundert. Unsere Pasta ist übrigens sehr gut und mit umgerechnet nicht einmal fünf Euro auch noch günstig. Außer
Touristen scheinen hier durchaus auch viele Istanbuler zu speisen.








So gestärkt machen wir uns auf den Weg über die Brücke zu unserem nächsten Ziel, dem  Galataturm. Es ist inzwischen
ziemlich warm geworden und da es stetig bergauf geht, kommen wir ordentlich ins Schwitzen.
Der Galataturm wurde 1348 von den Genuesen gebaut und war Teil ihrer Befestigungsanlagen. Heute ist der Galataturm eine Touristenattraktion, er überragt das verwinkelte Galataviertel mit seinen vielen kleinen Geschäften  und bietet einen grandiosen Blick über das goldene Horn und den Bosporus.
Allerdings heißt es auch hier wieder anstehen, was aber nach der Kletterpartie erstmal eine Wohltat ist. Hinauf geht es dann, Allah sei Dank, mit dem Lift. Vom Café aus muss man dann noch einige Treppen überwinden, bis man oben auf der Plattform steht und die Ausicht genießen kann. Es geht rechts rum im Gänsemarsch und da man an den anderen Leuten nicht vorbei kommt, hat man reichlich Zeit zu gucken.




















































Ein kurzer Stop auf dem Weg nach unten auf der turmeigenen Toilette, die leider den sonstigen Kapazitäten des Galataturmes nicht gerecht wird, so 
dass man hier lernt sich in Geduld zu üben. Unten im Viertel angekommen schauen wir noch in einige Geschäfte und finden einen guten Platz für eine Pause, ein Bier, eine Cola und ein entspanntes Gespräch mit dem Kellner. 
Zurück beschließen wir mit der Straßenbahn zu fahren. Die 
Linie 1 fährt von Karaköy bis nach Sultanahmet, genau die Strecke, die wir heute morgen gelaufen sind. Wir kaufen uns zwei Jetons für jeweils 3 TL , quetschen uns in die überfüllte Bahn und sehen dabei verwundert, dass es hier nicht üblich ist Fahrgäste erst aussteigen zu lassen, bevor man einsteigt. Nein, das geht alles gleichzeitig. Mit dem zweifelhaften Resultat, dass mancher es nicht schafft an der gewünschten Haltestelle aus der Bahn herauszukommen. Andererseits sind die Istanbuler aber durchaus in der Lage alte, gebrechliche Damen durch dieses Gedränge, zwischen all den eng an eng stehenden, schwitzenden Körpern hindurch auf Plätze zu bugsieren, die andere dann auch tatsächlich dafür räumen. Unglaublich!
Wir schaffen es dann doch an unserer Haltestelle die Bahn zu verlassen und beschließen all der Hektik und dem Gedränge zu entfliehen, um noch eine Pause auf der Dachterrasse einzuschieben. Was für eine Wohltat.
Für den Abend suchen wir uns ein Restaurant in unserem Viertel, da wir irgendwie kaputt sind. Dann sitzen wir auf einer Terrasse mit Blick aufs Wasser... und auf eine gigantische Baustelle. Kurz überlegen wir wieder zu gehen, aber eigentlich ist sonst alles sehr schön hier. Das Essen ist auch ausgezeichnet und wir erfahren, dass diese Baustelle das Großprojekt des Avrasya Straßentunnels ist. Einmal fertig, soll sich die Fahrtzeit zwischen dem Goztepe Viertel in Asien und dem Kazlicesme Bezirk in Europa auf 15 Minuten verkürzen. Wie lange die Bauzeit tatsächlich dauern wird, ist nicht klar. Manche sprechen von der Fertigstellung bereits 2015, andere sagen 2017. Das Restaurant und die anderen Anlieger werden auf alle Fälle schwere Zeiten haben bis zur Fertigstellung. Denn der Lärm ist kein kleiner. Doch die Bedienung ist nett und das Essen lecker. Und an der Baustelle kann das Restaurant leider nichts ändern.
Auf dem Rückweg kaufen wir in einem kleinen Laden noch eine Flasche Wein und nehmen Gläser und Flasche mit auf unsere Dachterrasse. Hier ist außer den Katzen und dem Muezzin kein störender Lärm. Gute Nacht, Istanbul.


Der kränkelnde Dino... - eine ganz persönliche Betrachtung

Hier jetzt ein kurzer Post zu einem Thema, das in Hamburg zur Zeit nicht wirklich an einem vorbeigehen kann. Unser kränkelnder Fußballverein. Der Dino der Bundesliga. Der HSV.
Eigentlich würde ich mich nicht als Fußballfan betrachten. Dass es mich aber gar nicht interessiert, wäre tatsächlich genauso gelogen. Wer in Hamburg in einem Arbeiterviertel groß wird, kommt an Fußball nicht so ganz vorbei. Auch dann nicht, wenn er ein Mädchen ist.
Spielsaison 1977/78, ich war vierzehn, der FC St. Pauli hatte es grad in die erste Liga geschafft und bei uns an der Schule wurden Freikarten für das Derby verteilt. HSV oder FC St. Pauli, das war mir eigentlich völlig egal... aber nette Jungs waren dabei, die waren mir nicht so egal. Wir waren eine große Gruppe, bester Laune und zumindest ich hatte überhaupt keine Ahnung von Fußball. Ich erinnere micht noch wie beeindruckt ich war vom Volksparkstadion, von diesem Gefühl der Zusammengehörigkeit,von dieser Begeisterung für eine Sache, von der Möglichkeit mal richtig laut zu schreien, von der überschäumenden Freude und von dem Zugehörigkeitsgefühl. Wir sind eins und wir stehen dahinter.
Im Laufe meines Lebens gab es Phasen mit viel Fußball und Phasen mit wenig Fußball. Ich habe in der Westkurve gestanden, meist eher in Block D, als im damals berüchtigten Block E, ich habe miterlebt, wie der HSV 1979 Deutscher Meister wurde und am letzen Spieltag die Zäune in Block E den Massen nicht standhielten und 70 Verletzte zu beklagen waren. Ich sah den HSV als Europapokalsieger, mit Spielern wie Horst Hrubesch, Kevin Keegan und Manfred Kaltz.
Es gab auch viele Jahre, da habe ich lediglich im Radio oder auch mal gar nicht mitverfolgt was auf der Fußballbühne so los ist. Dann hat die phasenweise fußballbegeisterte Tochter dafür gesorgt, dass ich auch die neue Arena kennenlerne und noch einmal neu entdecken konnte, was es heißt Teil dieser Euphorie zu sein.
Der HSV in der ersten Liga war immer so ein bißchen Hintergrundmusik in meinem Leben. Mal ein wenig lauter und mal nur ganz leise. Aber beständig da. Als ich mir gestern das Gestümpere in der ersten Halbzeit beim Relegationsspiel gegen Greuther Fürth ansah, begann ich wirklich zu fürchten, dass es dieses Mal nicht reichen wird. Dass die Hintergrundmusik aus einer Liga tiefer ertönen wird. In der zweiten Halbzeit war dann wieder Hoffnung da. Ein Hoch auch auf all die Fans, die mit dem Einsatz ihres Stimmvolumens die teilweise chaotisch agierenden Spieler unterstützt haben. Sie nicht allein gelassen haben.
Ich wünsche dem HSV für das Rückspiel am Sonntag alles Glück der Welt. Tatsächlich habe ich heute sogar einen Bremer Fan im Radio gehört, der dasselbe wünscht. Schon wegen der Nordderbys.
Ich durchblicke bestimmt nicht alles, was in den letzten Jahren beim Rothosenverein so falsch lief. Aber außer einem Sieg am Sonntag wünsche ich mir, dass diejenigen, die durch ihre schlechte Vereinspolitik und das schlechte Management dafür gesorgt haben, dass der HSV da steht, wo er steht, zur Verantwortung gezogen werden.
Auf dass der Dino noch lange in der ersten Liga bleibt! Viel Glück am Sonntag!





Türkei 1 - Merhaba Istanbul - Topkapi Palast und blaue Moschee

Istanbul. Halb europäisch, halb asiatisch. Die einzige Metropole, die sich auf zwei Kontinenten ausbreitet. Hier wird sowohl die Tradition, als auch die Moderne gelebt. 13 Millionen Einwohner soll sie offiziel haben, tatsächlich sind es wohl noch einige mehr. Sie blickt auf eine bewegte Geschichte zurück, stand immer irgendwo zwischen Orient und Okzident. Byzanz hieß sie. Konstantinopel. Und nun Istanbul. Zeit sie zu besuchen.
Blick vom Galataturm aufs Goldene Horn


























Wir fliegen am Ostersonntag vom Hamburger Flughafen mit Turkish airlines. Ein bißchen verspätet geht es los, so gewöhnen wir uns gleich an die etwas andere Einstellung zur Zeit. Tatsächlich verabschiedet uns Hamburg mit blauem Himmel, der einen eher seltenen Blick auf die Stadt von oben gewährt. Tschüß Hamburg!
Turkish airlines überrascht uns. Der Service ist wirklich gut, sogar das Flugzeugessen ist lecker. Es gibt tatsächlich eine Menukarte und alkoholische Getränke sind ebenfalls im Service inbegriffen. Wahnsinn! Istanbul wird übrigens von der asiatischen Seite aus angeflogen, unser Flieger dreht also noch eine schöne Runde über den Bosporus und wir sitzen glücklicherweise auf der richtigen Seite (der rechten)  und können die Aussicht genießen, statt ständig nur in den Himmel zu gucken. Seichte Landung und dann ab durch die Passkontrolle. Wir fühlen uns ein wenig wie vor dem Colossus im Heidepark, während wir uns durch die Absperrungen schlängeln. Eingezwängt zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen, beschallt durch ein vielfältiges Sprachengewirr. Ob es für die Grenzbeamten in der Türkei eigentlich Einstellungsvorraussetzung ist, dass egal was passiert, sie keine Miene verziehen dürfen? Naja, jedenfalls lächelt keiner von ihnen.Warum auch immer.
In späteren Gesprächen erfahren wir, dass einige Touristen hier fast zwei Stunden in der Abfertigung standen. Wir haben Glück und sind nach zwanzig Minuten durch. Mit unseren Koffern bewaffnet stiefeln wir zum Ausgang. Wir haben das erste Mal über unser Hotel einen privaten Transfer gebucht und sind schon ganz gespannt wie das klappt. Wenn man durch die Tür tritt, wird man von gefühlten 1000 Schildern begrüßt. Nach kurzer Sichtung
Dilhayat Kalfa Hotel
finden wir aber unser Schild und werden von einem jungen Mann souverän zu unserem Groß- raumtaxi geführt. Los gehts auf Schleichwegen durch den für eupopäische Verhältnisse irgendwie doch leicht chaotisch wirkenden Verkehr. Eine ganze Weile immer am Wasser entlang. Scheinbar sitzt jeder Istanbuler auf dem Grünstreifen am Wasser und grillt. Und diejenigen, die dort keinen Platz mehr gefunden haben, sitzen auf der anderen Seite. Ein unglaubliches Gewusel.
Unser Hotel, das Dilhayat Kalfa, erreichen wir nach einer halben Stunde. Es ist im Stadtteil Sultanahmet, in dem auch die meisten Sehenswürdigkeiten liegen, und mit sechs Zimmern klein und überschaubar. Unser Zimmer ist im Erdgeschoss, super ausgestattet, für Istanbuler Verhältnisse groß, ein wenig dunkel vielleicht, da es auf einen kleinen Innenhof an einer Festungsmauer hinausgeht, aber dafür absolut still. Was man gerade in Istanbul nicht genug schätzen kann.
Ein wenig frisch machen, ein kurzer Ausflug auf die Dachterrasse mit Blick auf Bosporus und los gehts einen ersten Blick auf die Umgebung werfen.
Durch einen kleinen Basar bummeln wir hinauf zum Platz, an dem die blaue Moschee und die Hagia Sophia liegen. Stehen zwischen zwei historischen Bauwerken und massenhaft Touristen und fühlen uns... klein!
Inzwischen senkt sich die Dämmerung herab, was aber nicht dazu führt, dass sich der Trubel auf diesem Platz legt. Wir kaufen ein paar Esskastanien bei einem fliegenden Händler, finden eine leere Bank und

Blick auf die Hagia Sophia
die blaue Moschee
beobachten das Treiben um uns herum, während wir die heißen Kastanien verzehren. Sind übrigens wirklich lecker, wenn man die Schale vor dem Essen entfernt. Worauf uns der belustgte Händler vorsorglich hingewiesen hat. 
Unsere am Flughafen auf die schnelle umgetauschten Euros reichen noch für ein leckeres Essen in einem kleinen Restaurant im Basar. Ein Stückchen weiter spielt eine Gruppe orientalisch anmutende Musik, sicher absolut touristisch, aber wir haben das Gefühl angekommen zu sein, während wir an unseren knallbunten Säften nippen, die tatsächlich frisch gepresst sind.
Mit vollem Bauch und absolut zufrieden bummeln wir zurück zu unserem Hotel, bewundern unterwegs den Blick auf die angestrahlte blaue Moschee und fallen ziemlich müde in unsere wunderbar bequemen Betten.
Der nächste Morgen beginnt mit einem entspannten leckeren Frühstück auf der Dachterrasse. Wir plauschen ein wenig mit einem Ehepaar aus Frankfurt, die schon seit ein paar Tagen hier sind und uns einige Tipps mit auf den Weg geben. Hauptsächlich Restauranttipps. Aber sie wissen auch wo wir den nächsten Geldautomaten finden.
Unser Plan für heute: Topkapipalast. Hauptresidenz Mehmeds II., erbaut zwischen 1460 und 1478 nach seiner Eroberung Konstantin- opels und 400 Jahre lang offiziele Residenz der nachfolgenden Sultane. Schon ein Palast der Superlative. Also auch ein Besuchermagnet und dementsprechend voll. So begrüßten uns dort nach unserer Ankunft gleich zwei Schlangen, eine am Ticketschalter und eine am Eingang des Palastes, die zusammen mindestens eine Stunde Wartezeit versprechen, wenn nicht sogar noch länger. Hier ein kleiner Tipp, den ich gerne auch in meinem Reiseführer gefunden hätte. Doch der hatte solch praktische Tipps nicht zu bieten.
Neben den Ticketschaltern stehen vier Automaten, an denen man ebenfalls Eintrittskarten kaufen kann. Die Schlange dort ist wesentlich kürzer (ich habe lediglich 10 Minuten gestanden), die Bedienung einfach, man kann bar oder mit Kreditkarte bezahlen und außerdem steht ein hilfreicher Bediensteter daneben, der bei Schwierigkeiten unterstützt. Hier kann man außerdem den Museum Pass Istanbul für 85 TL (zirka 28,30 €) erwerben, der 72 Std. nach Eintritt in die erste Sehenswürdigkeit gültig ist für: Toopkapipalast und Harem, Hagia Sophia, Chora Kirche, archäologisches Museum, Mosaikenmuseum und das Museum für türkiche und islamische Kunst. Mit diesem Pass kann man an den endlosen Schlangen an den Ticketschaltern einfach vorbeigehen und spart auf diese Weise unendlich viel Zeit. Solche Schalter stehen übrigens auch frei zugänglich auf dem Platz zwischen Hagia Sophia und blauer Moschee, genau am Ayasofya Meydani auf der Seite des Roxelane Bads. Wer hier kauft, braucht gar nicht anstehen.
Auf jeden Fall lohnt der Palast den Aufwand . Ich will euch nicht mit Einzelheiten langweilen, doch hier werdet ihr nicht auf monumentale Architektur treffen, sondern die Gebäude wirken durchweg filigran und hatten in den vier Höfen trotzdem Platz für bis zu 5000 Menschen. Ich zeige euch lieber ein paar Bilder:
Das Tor der Begrüßung
Blick auf den Haremsbereich
Der Diwan: hier traffen sich die Wesire des obersten Rates
immer wieder kunstvolle Mosaiken und wunderbare Fenster

im Harem





Blick auf den Bagdad-Pavillon


Für die Besichtigung sollte man mindestens einen halben Tag einplanen. Besser mehr, weil man irgendwann der Menschenmassen überdrüssig wird und eine Pause braucht. Zumindest geht es uns so.
Der vierte Hof dieses einzigartigen Palastes, der mit seinem großen Garten schon früher den Sultanen zur Erholung diente, bietet heute mit einem Café (Selbstbedienung... anstehen ist angesagt und es dauert eine Weile) und traumhafter Aussicht einen wunderbaren Platz für eine Pause.
Wir ergattern einen Tisch direkt an der Mauer über dem Wasser und genießen unsere Sandwiches und die Aussicht in der Sonne, bevor es weitergeht. Da unser Hotel nicht so weit entfernt ist,
naja, zirka 20 Minuten zu Fuß, beschließen wir dort eine Pause auf der Dach- terrasse einzulegen und unsere Füße einen Augenblick hoch- zulegen. Der Rückweg führt uns durch kleine Gäßchen mit Überbleibsel der ehemals für Istanbul so typischen Holzhäuser und steilen Gassen, in denen Kunst der besonderen Art auf seine Abnehmer wartet.
Eine Stunde oben auf der Dachterrasse genügt und wir machen uns erneut auf den Weg. Es bleibt bestimmt noch genug Zeit für die blaue Moschee. Wir haben Glück, dass wir nicht mit den Gebetszeiten kollidieren, dann ist die Moschee für Nicht-Muslime nicht zugänglich. Touristen betreten die Moschee durch einen Sondereingang. Wer als Frau kein Tuch für die Haare dabei hat oder mit kurzen Röcken oder Hosen unterwegs ist, erhält dort das passende Verhüllungsmaterial. Für die Schuhe gibt es eine Plastiktüte und schon kann man eintreten.
Tatsächlich ist es schwierig, Höhe und Ausstattung mit unseren Fotos gerecht zu werden. Was ich wirklich erstaunlich finde, ist, dass fotografieren hier innerhalb der Moschee so unkompliziert möglich ist. Der Islam hat wohl häufig doch ein toleranteres Gesicht, als ich vermute.
Wir sitzen vor dem Teil, der den Frauen für ihre Gebete vorbehalten ist, auf dem Fußboden und lassen die blauen Kacheln, die ungeheure Größe,die zahlreichen bunten Fenster und die riesigen Leuchter auf uns wirken. Ein schöner Ort zum innehalten. Die blaue Moschee hat übrigens als einzige außer der heiligen Moschee in Mekka sechs Minarette.

Nachdem wir unsere Schuhe am Eingang wieder angezogen haben, geht es auf Restaurantsuche. Wir werden schnell fündig, sitzen auf einer der diversen Dachterrassen mit Blick auf das goldene Horn, unweit einer Gruppe ziemlich
angeheiterter Engländer, die gelegentlich vom entnervten Kellner darauf hingewiesen werden müssen, doch auch mal an die anderen Gäste zu denken. Der Ruf des Muezzin schallt von der blauen Moschee herüber "allahu akbar...", mischt sich mit der Musik und den Engländern, den Geräuschen der Straße und dem Schreien der Möwen. Bob Marley singt für uns zu türkischer Mezze, Oliven und Pepperoni und einem Auflauf aus Auberginen und Lamm. Hurra, wir sind in Istanbul. Irgendwo zwischen Morgenland und Abendland, zwischen Tradition und Moderne, mit Blick von einem Kontinent auf den anderen.




Das schönste Erlebnis dieses Tages haben wir aber erst auf dem Rückweg, als wir an der blauen Moschee noch ein Nachtfoto machen wollen. Ein Herr spricht uns an, ob wir Zeit hätten seinen Studenten beim Ausfüllen eines englischen Lückentests zu helfen. Hauptsächlich gehe es darum, dass ein Gespräch auf englisch geführt werde. Und so sitzen wir im Lichte der blauen Moschee über einen englischen Text gebeugt, gemeinsam mit jungen Leuten aus allen Ecken der Türkei, um diese Aufgabe zu erfüllen. Sprechen über ihre Ausbildung, unsere Heimat, ihre Heimat, bekommen Tipps für unseren Aufenthalt in Kappadokien, lachen gemeinsam, rufen nach dem "teacher", wenn wir nicht weiter wissen, bis dieser sagt, sein Arbeitstag wäre beendet, er müsse nun nach Hause.
Auch wir machen uns auf zu unserem Hotel, um dort ziemlich müde ins Bett zu fallen. Wir haben bisher nur einen Bruchteil dessen gesehen, was wir sehen wollen. Aber dieser kleine Teil schürrt die Neugierde auf den nächsten Tag.
die blaue Moschee bei Nacht