Türkei 5 - Kappadokien - Land der Feenkamine und Felsenburgen

Bevor ich nun mit dem Bericht fortfahre, werde ich erstmal erklären wo und was eigentlich Kappadokien ist. Das scheint notwendig, da jeder zweite, dem wir vorher erzählten wohin wir reisen damit nichts anfangen konnte. Istanbul, klar, da weiß jeder sofort Bescheid, aber wo bitte liegt Kappadokien?

Tja, also natürlich auch in der Türkei, genauer in Zentralanatolien, auf der Landkarte der Türkei also ziemlich mittig. Als das Zentrum Kappadokiens gilt der kleine Ort Göreme inmitten von skurilen Tuffsteingebilden, der dort befindliche einzigartige Komplex aus Felsformationen wurde von der Unesco 1985 zum Weltkulturerbe ernannt. Stellt euch eine Landschaft vor die Hundertwasser, Gaudi und im Baggermatsch spielende Kinder gemeinsam unter Drogen kreiert haben, dann seid ihr dicht dran. Genau da wollen wir hin.
Allerdings tun sich gleich zu Beginn Schwierigkeiten auf, da unser gebuchter Flughafentransfer nicht erscheint. Die telefonische Nachfrage ergibt, dass der Wagen einen Unfall hatte und erst ein Ersatzwagen beschafft werden muss, der dann widerrum im dichten Verkehr steckenbleibt. Mit einer halben Stunde
Ver- spätung kommt er dann endlich, der Fahrer am Ende seiner Nerven, schweiß- über- strömt, und fährt uns in rekordverdächtigem Tempo, hupend und spurenwechselnd, zum Atatürkflughafen.Wir schaffen es noch rechtzeitig, checken ein und werden mit dem Bus übers Rollfeld zum Flugzeug gekarrt. An dem gerade ein Rad gewechselt wird. Ein wenig befremdlich ihnen dabei zuzusehen, aber wir gehen mal davon aus, dass die türkischen Mechaniker wissen was sie tun.
Schließlich geht es los und das gewechselte Rad übersteht sowohl den Start als auch die Landung.
Auf dem Flughafen in Kayseri gelandet, empfängt uns eine Temperatur von 30°, schwüle Luft und ein Gepäckband, das nach einer Umdrehung seinen Geist aufgibt. Glücklicherweise gibt es noch Gepäckband Nummer zwei, das seinen Unmut über diese ungeplante Beanspruchung mit quietschenden und knarrenden Geräuschen kundtut, aber die Koffer trotzdem im Kreis befördert. Übrigens ist Kayseri einer der Flughäfen, auf denen man noch zu Fuß vom Flugzeug zur Halle wandert. Ein fast vergessenes  nostalgisches Gefühl.
Mit den Koffern machen wir uns dann auf die Suche nach unserem Mietwagenschalter, den wir aber nicht finden können. Erst vor der Tür treffen wir auf einen einsamen, jungen Mann mit einem handgeschriebenen Pappschild, das unseren Namen trägt. Hurra, wir haben ein Auto!
Über dem schneebedeckten, erloschenen Vulkan Erciyes sammeln sich die Wolken, als wir die Provinzhauptstadt Kayseri verlassen. Es riecht nach Gewitter. Und tatsächlich, als wir endlich auf die Autobahn gefunden haben, zucken grelle Blitze über den irgendwie nachtdunklen Himmel. Kappadokien empfängt uns mit einem gigantischen Gewitter.
Doch genauso schnell wie es kam, ist es auch wieder verschwunden. In Göreme angekommen, ist die Feuchtigkeit auf dem Boden bereits verdampft. Die Wolken am Himmel verziehen sich langsam, es ist nur merklich kühler geworden.
Nach einigem Suchen finden wir unser Hotel, hoch oben mit wunderbarem Blick über Göreme. Es ist eines der vielen Höhlenhotels in diesem Ort. Wieso Höhlenhotel? In der kappadokischen Felslandschaft haben Höhlenwohnungen Tradition. Seit einigen tausend Jahren sind die Tuffsteinfelsen hier bereits durchlöchert worden. Ganze Städte fanden in ihnen
Platz, Kirchen wurden dort erschaffen, Mühlen betrieben, Wein hergestellt, Tiere gehalten, Fluchtburgen gesichert und Menschen lebten hier, immer wieder Menschen. Im Winter warm, im Sommer kühl, was will man mehr? Kein Wunder, dass irgendwann findige Leute ihre Höhlen an die ersten Touristen vermieteten. Inzwischen ist das die bevorzugte Übernachtungsmöglichkeit. So dass man jetzt immer häufuger den Presslufthammer vernehmen kann, der Platz für noch mehr Touristen schafft.
Nachdem wir uns in unserem gemütlichen Zimmer eingerichtet haben, das Hotel erkundet haben, machen wir uns auf den Weg in das etwas unterhalb liegende Restaurant. Hier wird das Fladenbrot noch in einem traditionellem Ofen gebacken und man kann der Hausherrin bei der Herstellung der kleinen Teigtaschen über die Schulter sehen, die für diese Gegend typisch sind. Mante heißt dieses traditionelle Gericht, eine Art türkische Ravioli, die absolut lecker sind.

Nach dem hervorragenden Essen gehen wir hinunter, ein wenig den Ort erkunden. Stellen dabei fest, dass dieser steile Weg hinab und hinauf eine hervorragende Möglichkeit ist die vorher zugeführten Kalorien wieder abzuarbeiten. Wir kommen trotz der Nachtkühle ein wenig ins schwitzen und fallen dementsprechend totmüde in unser leicht quietschendes Bett.
Den nächsten Morgen begehen wir mit einem wenig abwechslungs- reichen Frühstück (Brot, Schafskäse, Oliven, Tomaten und Joghurt), dafür aber mit fantastischem Blick. So gestärkt machen wir uns zu Fuß auf den Weg in das Freilichtmuseum Göreme. Und stellen sofort fest, dass wohl tatsächlich jeder, der Kappadokien, und sei es nur für einen Tag besucht, sich hier einfindet. Unmengen an Reisebussen stehen auf den Parkplätzen und wir finden uns eingezwängt zwischen Reisegruppen vor allem aus dem Land der aufgehenden Sonne, aber auch der untergehenden Sonne und allen Ländern, die dazwischen liegen. Mit anderen Worten, es ist unglaublich voll.

Im 4. Jahrhundert siedelten sich hier die ersten Christen an und erschufen ihre Kirchen versteckt im Tuffstein. Diese Schaffensphase wurde in den nächsten
800 Jahren fort- gesetzt, so dass hier auf eng-
stem Raum eine Vielzahl von Kirchen ent- standen sind. Wir schieben uns zwischen den Reisegruppen schwitzend durch die engen, wirklich schön bemalten Kirchenräume innerhalb
des Gesteins, immer bewacht von türkischen "Guides". Leider ist das Fotografieren in den meisten Räumen auch ohne Blitz nicht gestattet, so dass ich diesem Bericht keine Fotos beifügen kann. Meine auf englisch geäußerte Frage nach dem Grund dafür, scheint niemand vom Personal zu verstehen, geschweige denn beantworten zu können. Für Interessierte hier ein link: http://www.goreme.com/goreme-open-air-museum.php
Während einer Verschnauf- pause beobachten wir amüsiert welch Aufwand manche asiatische Reisegruppe auf sich nimmt, um das richtige Gruppenfoto zu schießen. Das kann schon mal 15 Minuten dauern. Und fragen uns, warum eigentlich so unendlich viele asiatische Reisegruppen hier unterwegs sind. Sind das nun Chinesen, Japaner oder Koreaner? Wir kommen zu keinem Ergebnis.
Nach etwas über zwei Stunden beschließen wir das Chaos hinter uns zu lassen und wandern wieder Richtung Göreme.
Machen einen Abstecher zur El-Nazar-Kirche. Was sich als Glücksfall herausstellt. Nachdem wir den Pfad in der staubigen Mittagshitze erklommen haben, zwei jungen Mädchen nach einem Sturz helfen können den geliehenen Roller wieder aufzurichten, schließt uns ein freundlicher Herr die Kirche auf, nicht ohne vorher unseren Eintritt kassiert zu haben.
Von dieser Kirche gibt es wunderbare ältere Fotos, auf denen ein Teil der Wand des Felskegels eingestürzt ist und den Blick ins Tal freigibt. Was natürlich zur Folge hatte, dass die Fresken ungeschützt Wind und Wetter preisgegeben waren. Vor einigen Jahren wurde die Kirche dann restauriert und der Kegel wieder geschlossen. Inzwischen führt eine Treppe hinauf und man betritt den Raum durch eine Tür. Die ersetzten Mauern wirken ein
wenig Fehl am Platz, sind sie doch schlicht und ohne Bemalung. Aber sie schützen den Rest vor weiterer Verwitterung und insofern kann ich sie nur gut- heißen.Tatsächlich waren wir hier ganz alleine, was nach dem Trubel im Göreme-Freilichtmuseum eine echte Wohltat war.
Bei Pistazien und Bier pausieren wir im Schatten eines Baumes, bevor wir wieder den Berg zu unserem Hotel erklimmen, wo wir den Rest des Nachmittags faul auf der Terrasse verbringen. Auch das muss mal sein.







Kommentare:

  1. Ich wurde einmal, zurecht, als geografische Wildsau bezeichnet. Von daher hätte ich auch nicht gewusst wo Kappadokien ist. Aber die Erklärung mit Hundertwasser, Gaudi und den Kindern ist so schön, irgendwie wird mir das im Gedächnis bleiben. Und so ein Hotel im Felsen, toll! Wieder ein Ziel mehr auf meiner Urlaubswunschliste

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  2. Ein wirklich großartiger Bericht! Ich wusste gar nicht, dass es so etwas gibt. Das war bestimmt ein tolles Erlebnis in einem Höhlenhotel zu übernachten.

    Viele Grüße
    Sarah

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  3. Kappadokien? Davon hatte ich noch nie bewusst gehört. Diese Bilder sind toll.
    Ich glaub da muss ich irgendwann noch hin.:)

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  4. Schön, dass es euch gefällt. Und tatsächlich ist Kappadokien wunderschön und bietet noch viel mehr, als die Umgebung von Göreme, über die ich bisher berichtet habe. Seltsamerweise ist Kappadokien in Süd-Korea bekannter als bei uns. Ich habe bisher noch nicht herausfinden können warum das so ist.

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  5. Hab die Kappadokien-Posts grad mit viel Begeisterung gelesen, Kappadokien kenne ich, steht schon lange auf meinem "Wish-to-see-Plan". Aber bis jetzt wusste ich nicht so ganz, wie ich es realisieren soll. Urlaub mit einer Reisegruppe schreckt mich etwas ab, vor allem, weil man bei organisierten Urlauben oft von einer Verkaufsattraktion zur nächsten gefahren wird. Ich bin normalerweise mit einem Mietwagen unterwegs, aber meine zwei türkischen Kolleginnen waren sich einig - ich sollte auf keinen Fall in der Türkei Auto fahren, das wäre total schrecklich.
    Wie war es für Euch? Schrecklich oder gar nicht so schlimm?
    Das Höhlenhotel sieht auch so interessant aus, würde mir sehr gefallen! Ach, jetzt hast Du mich wieder angefixt, ich will so gerne nach Kappadokien! Da gibt's viele alte Steine :-).

    Ganz viele herzliche Grüße!!!

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    1. Hallo Maegwin,
      das mit dem Auto fahren in Kappadokien ist überhaupt kein Problem, da ist wirklich nur ganz wenig Verkehr, einige Straßen sind absolut einsam. Selbst in Göreme, dem touristischen Zentrum schlechthin, ist der Verkehr eher vergleichbar mit einer deutschen Kleinstadt. In Istanbul würde ich tatsächlich auf gar keinen Fall fahren, die sind da echt selbstmörderisch unterwegs.
      Wir sind auch nicht die Reisegruppenfans und haben alles selbst gebucht, war überhaupt kein Problem. Den Flug mit Türkisch Airlines über Istanbul, dort 5 Tage Aufenthalt, dann ein Inlandsflug nach Kayseri, vom Flughafen aus den Mietwagen, die Hotels über booking.com und zurück wieder mit Türkish Airline. Und Kappadokien ist auf jeden Fall wunderschön und hat haufenweise alte Steine :)

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