Dublin - St. Michan´s Church - Grüfte und Mumien

Unser erster Anlaufpunkt in Dublin an diesem verregneten Tag unter tiefhängenden, stahlgrauen Wolken ist die St. Michan´s Church nördlich des Liffey in einem weniger touristischem Viertel. Auf den ersten und auch auf den zweiten Blick eine für diese Gegend typische  Kirche aus grauem Felsgestein, eher unspektakulär, eingeklemmt zwischen modernen Häusern aus Stahl, Beton und Glas. Ein Ensemble, so typisch für diese Stadt.

Die erste dänische Kapelle stand hier bereits im Jahr 1095, der heutige Bau stammt wohl aus dem Jahr 1685.
Wir durchschreiten die quietschende Pforte, streifen die feuchten Kapuzen ab und stehen im altmodisch anmutenden Eingangsbereich. Ein älteres Paar verkauft dort die Tickets. Nein, nicht für die Kirche, obwohl, natürlich kann man die auch besichtigen, sondern für die Führung durch die darunter liegende Krypta. In deren Gewölben liegen nämlich zahlreiche
mumifizierte Leichen, die erstaunlich gut erhalten sind. Angeblich wurde Bram Stoker durch seinen Besuch dieser geheimnis- vollen Unterwelt zu seinem Dracula- roman  inspiriert. Das macht neugierig.
Wir haben noch ein wenig Zeit bis die Führung beginnt und werfen einen Blick in den Kirchenraum. Der zeigt sich eher schlicht, wirkt auf uns ein wenig wie ein Wohnzimmer. Allerdings steht hier die älteste noch in Gebrauch befindliche Orgel des Landes, auf der bereits Georg Friedrich Händel gespielt haben soll.
Hier holt uns Peter, der Cryptkeeper ab. Er ist unser Führer durch die Unterwelt und tatsächlich wird diese Führung durch ihn erst richtig skurril. Er schlurft vor uns her, zieht das Bein nach, eine Mischung aus Quasimodo, Severus Snape und dem Butler Riff Raff aus der Rocky Horror Picture Show und er verbreitet morbiden Charme, während er den Eingang in die Gruft aufschließt. Steile ungleichmäßige Felsstufen führen hinab in die Tiefe und enden an einem langen Gang, an dessen beiden Seiten sich die Grabkammern befinden. Jede dieser Grabkammern gehört einer einzigen Familie, von denen manche auch heute noch den Schlüssel dazu haben.

In den Kammern stapeln sich die Särge, spinnenwebenbehangen, verfallen, der Boden bedeckt mit feinem Staub, die alten Kränze, staubgekrönt, noch obenauf liegend.


Der Cryptkeeper führt uns durch zwei dieser Grabgewölbe, es gibt hier noch einige mehr, die aber nicht zu besichtigen sind. In einem wirklich gut verständlichem Englisch, gespickt mit allerlei teils amüsanten, teils morbiden Anekdoten ist das ein wirklich kurzweiliger, unterhaltsamer Rundgang.
Absolutes Highlight dieser Führung sind natürlich die Mumien von St. Michan´s. Die trockene, methanhaltige Luft in der düsteren Gruft soll dazu geführt haben, dass die hier liegenden Leichname so gut konserviert sind.

Das Alter der Mumien ist ein wenig umstritten. Für den fußlosen mittelalterlichen Kreuzfahrer, habe ich Altersangaben zwischen 300 und 650 Jahren gefunden, die Kreuzzüge waren da auf jeden Fall bereits durch. Die fehlenden Füße erklärte der Cryptkeeper mir einem Seitenblick auf meinen 1,92 m großen Sohn mit den Worten " to tall..."
Es soll übrigens Glück bringen über den langen, abstehenden Finger dieses angeblichen Kreuzfahrers zu streichen, was wir natürlich getan haben. Ledrig fühlt es sich an und kühl, eigentlich gar nicht so gruselig.

Der Weg nach draußen führt uns an der Totenmaske des uns unbekannten Freiheitskämpfers Theobald Wolfe Tone vorbei und den Särgen anderer Rebellen aus dem irischen Aufstand von 1798. Tja, und dann stehen wir wieder draußen im Regen. Werfen noch einen Blick auf den ummauerten Friedhof mit seinen alten verwitterten Grabsteinen und machen uns dann auf den Weg.

Vielen Dank noch einmal an Maegwin vom 
Ihr Bericht hat uns erst auf die Idee gebracht diesen Ort zzu besuchen. Den kleinen Hinweis in unserem sonst sehr guten Reiseführer für Dublin und Umgebung hätten wir wahrscheinlich übersehen.

























Kommentare:

  1. Aber es mutet irgendwie komisch an, dass die mumifizierten Leichen da so "rumliegen" und ein paar Schädel dekorativ auf einem Sarg ruhen. Von daher klingt die Geburt von "Dracula" schon sehr plausibel.

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    1. Die Verbindung zu Dracula drängt sich in diesem Gewölbe förmlich auf und ich denke mal, die Mumien, Schädel und überhaupt das ganze drum und dran sind natürlich grad für die Besucher so nett arrangiert. Auf alle Fälle wird die Fantasie kräftig angerührt :)

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  2. Sehr schöner und gleichzeitig leicht gruseliger Reisebericht. :) Ich hätte mich dort wahrscheinlich nicht hinunter getraut. Dass das als Inspiration für Horrorfilme und -bücher dient, kann ich mir sofort vorstellen. Und die Mumien wurden nicht extra einbalsamiert, sondern wurden allein aufgrund der methanhaltigen Luft so gut konserviert?
    Liebe Grüße Myri

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    1. Schön, dass dir der Bericht gefällt. Die Mumien wurden tatsächlich nicht einbalsamiert, sondern auf natürliche Weise ohne irgendwelche Zusätze so mumifiziert. Es wurden sogar wissenschaftliche Experimente gemacht, um diesen Prozess nachzuvollziehen.
      Lieben Gruß zurüch :)

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  3. Das klingt sehr interessant, die wird ich auch gern mal besichtigen. Ich leibe ja schöne Friedhöfe und Gruften mit besonderen Geschichten.

    Hast du ein paar schaurig schöne Reiseziel Tipps in Deutschland oder der Schweiz ?

    Liebe Grüße,
    Lexy

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  4. Das ist ein klasse Ort! Es freut mich sehr, dass Du auch hingefunden hast, ich fand es wirklich einmalig. Und Peter, the Cryptkeeper macht den Ort doppelt sehenwert.

    Freut mich, dass es Dir auch so gut gefallen hat und dass ich Euch auch mal inspirieren konnte. :-)

    LG!

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