Drei Tage an der Bergstraße: Bensheim, das Auerbacher Schloss und Heidelberg

Wenn ich weiter so wenig schreibe, schläft mein Blog hier noch ein...
Tatsächlich ist das bisher reisemäßig noch nicht so mein Jahr gewesen. Wer nicht reist, kann auch nicht darüber schreiben. Doch glücklicherweise wird sich das noch ändern. Im nächsten Monat geht es für ein verlängertes Wochenende nach Stockholm, im August für vier Wochen nach Südafrika (freufreufreu) und im Herbst nach Budapest. Bis dahin fühle ich mich aber eindeutig unterurlaubt.
Wovon ich heute berichten kann, das ist die hessische Bergstraße. Dort war ich nämlich zu Pfingsten auf einem Familientreffen. Mit ein paar Tagen rundherum, so dass Zeit blieb sich in der Gegend ein wenig umzusehen. Tatsächlich gibt es dort eine Menge alter Steine, Ortschaften mit Fachwerkhäusern, Wald und vor allen Dingen Wein. Eigentlich schien überall grad ein Weinfest zu sein oder fürs nächste Wochenende geplant oder grad vorüber... Ist ja nicht unbedingt das schlechteste.
Ja, und was schaut man sich dort so an?
Erster Stop: Burg Frankenstein. Klingt übrigens gruseliger als es ist. Und ob es wirklich einen Zusammenhang mit dem Roman von Mary Shelley gibt, ist nicht so wirklich geklärt. Die Burg liegt südöstlich von Darmstadt und ist eigentlich eher eine Ruine. Man zahlt keinen Eintritt und kann in Ruhe durch die Gemäuer wandern. Es ist nicht unbedingt die spektakulärste Burgruine, die ich bisher besucht habe, aber durchaus sehenswert. Wirklich interessant ist sicher der Besuch, wenn hier eines der größten Halloweenfeste Deutschlands stattfindet. In der Umgebung stationierte US-Amerikaner haben dieses Spektakel einst ins Leben gerufen und es hat sich wohl über Jahrzehnte bewährt.
Heute ist hier nur so ein Gruppenevent mit Bogenschießen und Axtwerfen in mittelalterlichen Gewandungen, das wohl für Firmenausflüge oder ähnliches auf der Burg veranstaltet wird.
Zweiter Stop: Felsenmeer. Auch hier finden sich alte Steine, allerdings der etwas anderen Art.
Es sieht ein wenig aus, als hätte jemand einen sehr großen Sack voller Steine in den Wald gekippt. Natürlich gibt es auch eine Sage dazu, in der sich zwei Riesen im Streit mit Felsbrocken beworfen haben und einer schließlich unter einem Meer von Felsen begraben wurde. Zack - hatte man den Namen. Tatsächlich aber ist das Felsenmeer ein Produkt von geologischen Prozessen, die hunderte von Millionen Jahren dauerten und die ich hier jetzt nicht genauer ausführen möchte. Nicht, dass ich auch noch so lange dafür benötige...
Das Felsenmeer ist heute ein Naherholungsgebiet mit Informationszentrum, Wanderwegen und allem was dazugehört. Für den Parkplatz muss bezahlt werden, darüber hinaus aber nichts. Ein guter Platz für ein Picknick in der Sonne!
3.Stop Bensheimer Badesee. Der Hitze wegen bot sich am Nachmittag der Bensheimer Badesee an. Hier kann man wunderbar einige Stunden am Sandstrand verbringen und hat trotzdem alle Annehmlichkeiten eines Freibades dabei. 3 € Eintritt, Decke in den Sand oder auf die Wiese und den erhitzten Körper ins kühle Nass tauchen - wunderbar. Man kann sich hinterher sogar abduschen, hier ist an alles gedacht.
4. Stop Bensheimer Altstadt. Am Abend geht es mit geliehenen Fahrrädern in die Bensheimer Altstadt auf ein Bierchen oder einen Wein. Das erste Getränk ist allerdings ein Apfelwein oder Äppelwoi, wie man hier sagt. Insgesamt geschmacklich für den norddeutschen Gaumen etwas gewöhnungsbedürftig. Bensheim hat einen hübschen Altstadtkern mit wunderschönen Fachwerkhäusern, etwas abseits der Durchgangsstraße und zum größten Teil eine Fußgängerzone.
5. Stop Auerbacher Schloss. Untergebracht waren wir in einem Hotel in Auerbach, das irgendwie zu Bensheim gehört und dann auch irgendwie wieder nicht. Hoch oben über dem Ort thront jedenfalls das Auerbacher Schloss. Fünfzig Minuten Fußmarsch bringen einen durch grüngesprenkelte Wälder herauf zu dieser wirklich sehenswerten Burgruine.

Kein Eintritt, dafür aber viel zu gucken und eine hervorragende Schlossgastronomie, von deren Burgterrasse man einen grandiosen Blick in die Rheinebene hat. Die Burg war übrigens als uneinnehmbar geplant - von einem Geschlecht mit dem seltsamen Namen Katzenelnbogener. Ein paar Hundert Jahre klappte das auch, bis im französisch-niederländischem Krieg (1672-79) die Burg in Brand gesteckt wurde. Seitdem ist sie Ruine in unterschiedlichsten Stadien des Verfalls, allerdings wurde in den letzten Jahrzehnten viel für ihren Erhalt getan. Ich kann euch einen Besuch nur ans Herz legen, es lohnt sich wirklich.
Auf dem Weg hinunter wurden wir übrigens von einem Gewitter überrascht, das uns komplett durchnässt wieder in unserem Hotel ankommen ließ.
6. Stop: das Kloster Lorsch. Seit 1991 ein Unesco Weltkulturerbe. Am Morgen nach der Feier mit der Familie unsere nächste Anlaufstelle. Hier kann ich einfach nur sagen: Enttäuschend! Außer der karolingische Torhalle und Teilen der romanisch-gotischen Basilika ist hier nichts zu sehen, nicht einmal eine Beschilderung. Am schönsten war da noch der angelegte Klostergarten, mit seinen Pflanzen, Düften und Weinbergschnecken.
7. Stop: der Kaiserdom in Worms. Ein kurzentschlossener Abstecher führte uns an den Rhein nach Worms. Über die Nibelungenbrücke ging es in die Stadt und von dort zu Fuß bis zum Kaiserdom. Beides beeindruckende Bauwerke, mehr aber auch nicht. Sicher hat Worms noch eine Menge mehr zu bieten, dafür fehlte aber die Zeit.
8. Stop: das Fürstenlager. Am späten Nachmittag sind wir zurück in Bensheim oder besser Auerbach. Noch Zeit für einen kurzen Spaziergang durchs Fürstenlager. Hier hatte irgend ein Landgraf seinen Sommersitz, es gibt einen "Gesundbrunnen" und einen wunderschön angelegten Park mit einem der ältesten Mammutbäume Deutschlands. Den allerdings hatte ich mir deutlich größer vorgestellt.
9. Stop: Heidelberg. Unser letzter Tag gehört Heidelberg. Dort war ich bereits einmal vor über dreißig Jahren und meiner Erinnerung nach war es ein grandioser Ort mit einem grandiosem Schloss. Glaubt nicht, dass es das nun nicht wäre, aber tatsächlich sind Erinnerungen trügerisch. Was mich mit knapp zwanzig Jahren wirklich beeindruckt hat, ist heute für mich leider nicht mehr so ein riesiges Highlight. Zuviel habe ich in den vergangenen Jahrzehnten sehen können, zuviele Vergleiche sind möglich. So ist das Heidelberger Schloss nur eines unter vielen und tatsächlich nicht einmal unter den schönsten, die ich mir bisher angesehen habe. Heidelberg selber aber ist eine lebendige Studentenstadt, deren Besuch sich in jedem Fall lohnt. Und wer das Schloss im Rahmen einer Führung besucht, der wird auf jeden Fall eine Menge Wissenswertes und viele Anekdoten erfahren. 
Ein Kuriosum im Heidelberger Schloss ist das große Fass. Über 200.000 Liter Wein soll es gefasst haben und oben drauf war ein Tanzboden. Laut Angaben des amüsanten Herren, der uns durch die Räumlichkeiten führte, wurden hier ehemals 1000 Liter Wein am Tage getrunken, die mittels einer Pumpe in die oberen herrschaftlichen Gemächer gelangten. In diesem riesigen Fass wurde übrigens der sogenannte Zehntwein eingelagert, also der Wein, den die Bauern oder Winzer als Abgabe zu leisten hatten. Ein Sammelsorium unterschiedlichster Weine - sicher nicht die besten - und dann einmal ordentlich durchgerührt. Ob das wohl geschmeckt hat? Und welcher Art waren die Kopfschmerzen, die dieses Gesöff hervorgerufen haben mag? Kein Wunder, dass die Damen und Herren damals nicht sehr alt wurden.
Wie die anderen Schlösser und Burgen der letzten Tage, ist auch das Heidelberger Schloss eine Ruine. Allerdings hat man es von innen zerstört. Ludwig der XIV. - der Sonnenkönig - war wohl nicht amused, dass man ihn nicht als Erbe des kinderlosen verstorbenen Kurfürsten Karl II. anerkannte. Und wenn so ein absolutistischer Herrscher nicht zufrieden ist, dann greift er auch gerne mal zu drastischen Mitteln. Er ließ Türme und Mauern einfach sprengen und hinterließ das Heidelberger Schloss bei seinem Abzug als Ruine. Wahrscheinlich hat er nie gelernt mit seiner Wut umzugehen...
Für 7 Euro darf man mit der Bergbahn zum Schloss hinauf und wieder hinunter fahren, den Schlosshof und das große Fass besichtigen und in das Apothekenmuseum. Wer noch eine Führung durch die wiederhergestellten Räume machen möchte, muss noch einmal 5 Euro drauflegen.
Tja, und das soll es jetzt gewesen sein. Wir sehen uns in Stockholm 😉




Büsum an der Nordsee - Gegensätze ziehen sich an?

In letzter Zeit bin ich viel im Norden unterwegs, man muss ja auch nicht immer so weit weg fahren. Vor einer Woche war ich an der Nordsee, in Büsum. Allein. Das ist immer noch ein bißchen ungewohnt, aber durchaus reizvoll, so unvertraut selbstbestimmt und doch ohne Einsamkeitsgefühl, wie mancher vielleicht vermuten würde.
Weit ist es eigentlich nicht von meinem Zuhause nach Büsum, lediglich 146 Kilometer. Doch eine Stunde brauche ich bereits durchs Hamburger Stadtgebiet, bis mich die verstopfte Dauerbaustelle der A7 aufs herzlichste begrüßt - natürlich mit stehenden Fahrzeugen Stoßstange an Stoßstange. Oder wie immer diese Plastikteile an den Autos inzwischen heißen mögen. Im Schneckentempo geht es voran, es wird gehupt und verzweifelt die Spur gewechselt, in der Annahme auf dieser einige Sekunden schneller ans Ziel zu kommen, während die fahle Sonne es scheinbar zum ersten Mal in diesem Jahr schafft sommerliche Temperaturen zu erreichen. Leicht irritiert stelle ich eine fast vergessenen Körperreaktion fest, ich schwitze. Gut, dass es eine Klimaanlage gibt. Nach gefühlten Stunden (tatsächlich sind es nur zwanzig Minuten) erreiche ich den Abzweiger auf die A23. Dort ist nichts los - und zack bin ich in Büsum.
Warum habe ich eigentlich diesen Ort gewählt? Weil er an der Nordsee liegt, warum sonst? Ich liebe die Nordsee. Wegen ihrer Wildheit, wegen ihrer Unberechenbarkeit. Wegen ihrer Zügellosigkeit, ihrer Schroffheit. Sie ist für mich so etwas wie die Verkörperung von Freiheit, lässt sich nicht einsperren und auch nicht zähmen. Das Wasser kommt und geht wie es will. Klar, den Zeitpunkt können wir berechnen. Aber in welcher Stärke und Intensität, das wissen wir nicht immer. Ich liebe es, dass der Wind hier immer ein wenig stärker bläst, dass hier in den Marschen scheinbar nichts ihm Einhalt gebietet, ich liebe die Weite und den hohen Himmel, das Geschrei der Möwen, den Geruch nach Salz und Feuchtigkeit, das Gefühl die nackten Füße im Sand vergraben zu können und die Sonne auf meiner Haut. Oder den Regen.
Mein erster Spaziergang durch Büsum zeigt mir, dass diese Stadt wohl versucht hat zu all dem einen Gegenpart zu schaffen. Noch bevor ich es überhaupt auf die Deichkrone schaffe und einen Blick auf die Nordsee werfen kann, werde ich durch eines der überall gegenwärtigen Schilder begrüßt, die mir ganz klar sagen, was in Büsum geht und was nicht. Nicht dass ich auf falschen Ideen komme!
Hier bleiben keine Fragen offen, auch solche nicht, die man sich nie gestellt hätte.
Oben von der Deichkrone fällt mein Blick dann auf die ordentlich aufgereihten Strandkörbe, die wuchtigen Soldaten gleich in Reih und Glied auf dem grünen Deich verteilt stehen. Hat man den Abstand mit dem Zollstock ausgemessen? Ob man die überhaupt verstellen darf? Oder müssen die in einem bestimmten Winkel ausgerichtet sein? Ich schaue mich um, ob es auch hierfür Anweisungen auf Schildern gibt, kann aber keine derartigen finden. Doch vielleicht bekommt man diese erst per Handzettel bei der Anmietung eines  solchen geflochtenen Refugiums. Wer weiß?
Zögerlich setze ich meine Füße auf die grau gepflasterten Wege, die auf der Deichkrone und unten am Wasser entlang Richtung Zentrum führen. Alles superordentlich, mit Treppen die ins Watt hinunter führen, Duschen, Bänken und Abfallbehältern in regelmäßigen Abständen, behindertenfreundlich und rollstuhlgerecht. Versteht mich nicht falsch, das ist natürlich alles toll und für viele Menschen auch absolut notwendig, aber für mich ist es so wenig Nordseelike...
Tatsächlich ist auch das Publikum an diese Umgebung angepasst und wären da nicht ein paar Familien mit Kindern, würde ich behaupten, dass ich den Altersschnitt zwischen all den Rollatoren schiebenden oder mit Gehstöcken bewaffneten Damen und Herren deutlich herabsenke.
Ich kaufe mir in der Touristeninfo eine Karte für die morgige Tour zu den Seehundsbänken - nachdem ich eine ziemlich lange Weile hinter einer sehr informationshungrigen Dame mit eisengrauer, dauergewellter Betonfrisur gewartet habe - bummele noch eine Weile durch den Museumshafen, bevor ich mich auf den Rückweg zu meinem Apartment mache.
Das liegt übrigens in Büsums Bausünde, einem in den Siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts erbautem Hochhaus, das wie ein Fremdkörper am nördlichen Ende Büsums an der Familienlagune Perlebucht steht. Und so überhaupt nicht ins Landschaftsbild passt, was es mir schon wieder richtig sympathisch macht. Mein kleines Apartment ist im 20. Stock und bietet einen wunderbaren Ausblick auf die Nordsee. Der einzige Nachbar, mit dem ich hier in Kontakt komme, ist ein Vogel, der auf dem Nachbarbalkon brütet und mich jedesmal absolut ängstlich, fast schon entsetzt anguckt, wenn er mich auf dem Balkon sitzen sieht. Vielleicht hält er das Hochhaus für eine Klippe und fragt sich wie, um Gottes Willen, ich hier herauf gekommen bin. Wir arrangieren uns irgendwie, doch meist sucht er flatternd das Weite, sobald er mich bemerkt. Dabei bin ich gar nicht so furchtbar...
Die Fahrt zu den Seehundsbänken am nächste Tag gestaltet sich sehr kurzweilig. Der Himmel hat sich zugezogen, es tröpfelt sogar ein wenig, als wir um 11.15 Uhr Büsums Hafen verlassen. Ich sitzte draußen auf einer Bank im Heck des Dampfers, umringt von einer lustigen Familie irgendwo aus Mitteldeutschland. Das Wetter wird immer besser, je weiter wir aufs offenen Meer kommen und wir werden von Möwen begleitet, die sich was auch immer von uns erhoffen. Eine schafft es tatsächlich ihre Hinterlassenschaft wie eine Streubombe über uns abzuladen, als wären wir ihr Ziel gewesen. Rache, weil es keine Fischreste gab? Auf den Schreck zaubert die betagte Tante der Familie eine stattliche Anzahl kleiner Schnapsfläschchen aus ihrer Handtasche und verteilt diese an alle Umsitzenden. Es ist noch nicht einmal zwölf Uhr, aber was macht das schon...
Die Seehunde liegen in der Sonne auf der Sandbank. Scheinbar total entspannt rollen sie sich im nassen Sand, lassen sich ins kalte Nordseewasser gleiten oder schauen mit ihren großen dunklen Augen zu uns herüber. Ob wir sie wirklich nicht stören, weiß man nicht. Doch unser Schiff hält gebührenden Abstand. Das macht Handyfotos schwieriger, aber wahrscheinlich die Seehunde glücklicher. Ich ärgere mich ein wenig, dass ich keine richtige Kamera mitgenommen habe. Aber eigentlich ist nur der Moment wichtig und nicht ein gutes Foto.
Auf dem Rückweg wird es nebelig, andere Schiffe tauchen wie von Geisterhand aus den weißen Schwaden auf und gleiten lautlos über die wie ein Spiegel daliegende Wasserfläche. Wir erreichen Büsum pünktlich zur Mittagszeit.
Zeit für das obligatorische Krabbenbrötchen an der Nordsee, das seit meinem letzten Besuch deutlich teurer geworden ist. Krabben sind halt Mangelware, wer weiß wie lange wir die noch zu uns nehmen können.
Mein Nachmittag wird von einem Gewitter bestimmt, das langsam vom Westen her über die Nordsee auf Büsum zuzieht. Gigantische tiefdunkelblaue Wolkenberge stapeln sich dort in der Ferne, ein grandioser Anblick. Ich stehe auf meinem Balkon mit dem Blick in die Weite. Rausgehen? Rausgehen!
Der Spaziergang durch diese Gewitterstimmung ist grandios und endet... nass.
Ansonsten habe ich mein Wochenende genutzt, um viel zu lesen, mich zu bewegen oder einfach mal nichts zu tun. Natürlich bin ich auch mit nackten Füßen im Watt unterwegs, das gar nicht so kalt ist, wie man es nach all diesen Tagen mit schlechtem Wetter vielleicht erwartet hätte.
Am späten Sonntagnachmittag mache ich mich dann ordentlich durchgepustet, sonnenbeschienen und erholt wieder auf den Rückweg in meine Millionenmetropole. So eine kurze Auszeit ist wirklich etwas Feines.



Ein Ausflug nach Stade

Nach Stade wollte ich eigentlich schon lange mal. Ist ja auch nicht soweit entfernt von Hamburg, nur etwa 45 Kilometer. Außerdem ist es auch eine Hansestadt, was natürlich durchaus sympathisch ist... Aber immer wenn es grad mal gepasst hätte, schien es in Stade zu regnen. Zweimal ist es bisher schon schief gegangen und auch dieses Mal begrüßt mich die Hansestadt am Rande des Obstanbaugebietes Altes Land mit einem kräftigen Regenschauer. Danke dafür! Doch diesmal wird nicht aufgegeben. Durchhalten ist die Parole. Ja, und was soll ich sagen... zehn Minuten später hat ein kräftiger Wind die Wolken weiter Richtung Osten gepustet und über den alten Fachwerkhäusern spannt sich ein strahlend blauer Himmel. Geht doch!
Irgendwo hatte ich vor einiger Zeit gelesen, dass ein japanischer Geschäftsmann ( vielleicht war es auch ein chinesischer...), als es ihn in diese Stadt verschlug, nachgefragt haben soll, ob es nicht möglich sei diese Stadt zu kaufen. Er wollte die Fachwerkhäuser der Altstadt abbauen lassen und in seiner Heimat wieder aufbauen. Das ist dann wohl nichts geworden, denn die Häuser stehen immer noch hier. Was auch gut so ist, denn Stades Altstadt ist wirklich schön.
Das historische Zentrum mit seinem alten Hansehafen - ein Binnenhafen am Fluss Schwinge - liegt auf einer Insel innerhalb ehemaliger Wallanlagen. In den umgebenden historischen Häusern finden sich viele Cafés und Restaurants, die für das leibliche Wohl der Besucher sorgen, bei gutem Wetter sogar im Freien.
Überall finden sich wunderschöne Häuser unterschiedlichster Bauepochen, es gibt das Museum im Schwedenspeicher, außerdem ein Freilichtmuseum und viele kleine Geschäfte durch die man bummeln kann.
Im alten Hansehafen kann man auch die Nachbildung eines Tretkrans besichtigen, der hier bis zum Jahr 1898 im Original gestanden hat und mit dem früher die Ewer entladen worden sind. Im Inneren ist eine kleine kostenlose Ausstellung, die Wissenswertes rund um Kran und Hafen bietet.
Nicht nur rund um den alten Hansehafen finden sich die wunderschönen Häuser, auch in den Seitengassen und in der Fußgängerzone stößt man immer wieder auf wahre Kleinode.
Wer also ein paar Stunden oder auch mehr Zeit hat, sollte sich ruhig aufmachen, um sich die Stadt anzusehen. Es lohnt sich auf jeden Fall!